Regensburgische Botanische Gesellschaft von 1790




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Herbaransicht, 72 kB

Das Herbarium der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft von 1790 wird im Index Herbariorum mit dem Kürzel REG geführt. Es besteht heute aus den Teilsammlungen:

  • Krytogamensammlungen:
    Pilze, Flechten, Algen (insbesondere Diatomeen), Moose

  • Pteridophyten- und Spermatophytenherbar

 

Draba aizoides, 57 kB

Nachdem am 14. Mai 1790 die Gesellschaft von Hoppe, Martius und Stallknecht (alle drei waren Apotheker) am sog. Schutzfelsen gegründet worden war, ging man bald daran ein Herbarium anzulegen, getreu dem Satz Linnés: "Herbarium praestat omni icone, necessarium omni Botanico" (Ein Herbarium ist besser als alle Darstellungen, notwendig für alle Botaniker). Da die meisten Mitglieder bei ihrer Aufnahme bereits im Besitz einer Anzahl getrockneter Pflanzen waren, erlebte das Herbar einen schnellen Aufschwung. Dem Wohnort der Mehrzahl der frühen Mitglieder entsprechend, stellte zunächst Bayern und hier vor allem der Regensburger Raum den Hauptteil der Sammlung, die sog. Flora Ratisbonensis.
 

Herbaretiketten, 69 kB

1821 fasste man den Beschluss, ein Deutsches Normalherbar zu erstellen, das alle Pflanzen des deutschsprachigen Raumes als Referenzexemplare enthalten und getrennt von den übrigen Sammlungen der Gesellschaft aufbewahrt werden sollte. Nach 30 Jahren war es dann gelungen, ein "Deutsches Herbar" mit 3.265 Species (bei 3.553 damals beschriebenen) vorzustellen (Flora Germanica). Schon in den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jh. konnte aber auch eine größere Anzahl außerdeutscher und außereuropäischer Arten angesammelt werden.
 

Von den zahlreichen Zugängen, die meist aufgrund von Tausch oder Erbschaft erfolgten, muss aber das Welden-Herbarium erwähnt werden. Während es der Gesellschaft nicht gelang, in den Besitz der Pflanzensammlungen ihres Gründers Hoppe zu kommen und Regensburg damit das Schicksal anderer Städte, wie z. B. Wien und Uppsala teilt, die über die Herbarien ihrer berühmten Söhne, Jacquin und Linné ebenfalls nicht verfügen, erhielt sie bereits zu Lebzeiten (1853) des k. u. k. Feldmarschalls Freiherr Franz Ludwig v. Welden, der Mitglied unserer Gesellschaft war, durch Schenkung dessen Herbarium, bestehend aus 101 Faszikeln mit ca. 20.000 Belegen (Herbarium Weldenianum). Als Offizier der österreichischen Armee führte er fast sein ganzes Leben viele Reisen durch, die er dazu benutzte in den jeweiligen Regionen die Flora zu erforschen und Pflanzen zu sammeln, hauptsächlich in Dalmatien, Oberitalien und der Schweiz. Seine Kontakte zu zahlreichen Botanikern in ganz Europa ermöglichten es ihm, bei seinen Besuchen diverse Originalexemplare neubeschriebener Arten zu erwerben, die natürlich sehr zur Wertsteigerung unseres Herbars beitragen. Aber auch nordamerikanische Belege sind Attraktionen dieser Schenkung.
 

Ein speziell bayerisches Herbar richtete die Gesellschaft zunächst nicht ein. Zwar regte Hoppe bereits 1806 an, die verdienstvolle Arbeit Franz von Paula Schranks (die Baiersche Flora von 1789) zu ergänzen und weiterzuführen, es erfolgten jedoch nur fragmentarische Ansätze. 1848 beauftragte König Max II. die Bayerische Akademie der Wissenschaften eine Flora des Königreiches zu erstellen. Durch v. Martius wurde auch die RBG mit dieser Aufgabe befasst und sandte einen einmaligen Beitrag zum "Herbarium Boicum". Erst 1898 wurde durch H. Poeverlein im Auftrag der Gesellschaft mit der Schaffung einer Flora exsiccata Bavarica begonnen, die dann durch A. Mayer als Hauptbearbeiter im Jahre 1930 mit 2000 Nummern abgeschlossen wurde. Von dieser Sammlung wird heute noch ein Satz als separater Teil gehalten.
 

Faszikel alt - neu, 75 kB

Mit der Errichtung der Botanischen Lehrstühle an der Universität Regensburg im Jahre 1973 begann die fruchtbare Zusammenarbeit von Hochschule und Gesellschaft. Prof. Dr. Andreas Bresinsky wurde Vorsitzender, das Herbarium wurde als Dauerleihgabe an die Universität im Institut für Botanik etabliert (Vertrag vom 7. 4. 1977, s. Hoppea 49: 248). Die in den ehemaligen Räumen der Gesellschaft wenig vorteilhaft gelagerten und stark verschmutzten Bestände wurden in neues Papier und moderne Schränke überführt. Dabei wurden die verschiedenen Teile des Phanerogamenherbars (mit Ausnahme eines Satzes der Flora exsiccata Bavarica) zu einem nach Familien und Gattungen alphabetisch geordnetem Generalherbar zusammengefasst, die Herkunft der einzelnen Belege aus den verschiedenen Teilsammlungen ist durch Stempel gekennzeichnet. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. wurden vor allem von den Herren 0. Mergenthaler und G. Necker eine größere Anzahl von Belegen an das Herbar übergeben, in den jüngst vergangenen Jahren dann u. a. von Prof. Dr. Bresinsky.
 

Da eine hauptamtliche Kraft für das Herbarium nicht vorhanden war und ist, konnten alle Arbeiten nur durch zeitweilig bezahlte Hilfskräfte und ehrenamtliche Tätigkeit durchgeführt werden. Die nach dem Zusammenführen der Teilherbarien notwendige Ordnung und Bearbeitung wurde von Herrn Dr. F. Schuhwerk vor ca. 15 Jahren begonnen. Weitere Ordnungsarbeiten wurden dann u. a. von Herrn Fritz Fürnrohr (Rubus) und Frau Ines Schönberger und in neuerer Zeit von Herrn Dr. Heinz Gigglberger in Angriff genommen. Das Phanerogamenherbar umfasst derzeit 1.350 Faszikel mit 122.358 Belegen. Weitere Zugänge warten auf die Eingliederung.
 

Herbaransicht, 72 kB

Eine wesentliche Verbesserung erreichte das Herbar mit der Berufung von Prof. Dr. Peter Poschlod als Nachfolger von Prof. Dr. Bresinsky auf den Lehrstuhl für Botanik. Im Rahmen seiner Berufung konnten die Herbarschränke durch eine moderne Kompaktanlage für die Phanerogamensammlung ersetzt werden. In den zuletzt völlig überfüllten Schränken waren einer Eingliederung neuer Herbarbelege und einer weiteren Ordnung enge Grenzen gesetzt. Das gesamte Herbarmaterial kann nach einer Stickstoffbegasung nun in der Kompaktanlage mit viel Freiraum und in einem vollständig renovierten Raum mit guten Arbeitsmöglichkeiten wieder benutzt und gepflegt werden.
 

Ehrenamtlicher Mitarbeiter
Dr. Heinz Gigglberger,
 

Verantwortlich für die Gesellschaft
Prof. Dr. Peter Poschlod,
 

 
 Das Herbarium des David Heinrich Hoppe
 

 
Weitere Einrichtungen der Gesellschaft:
 
 Flora exsiccata Bavarica

 Bibliothek

 Stiftung Anton-de-Bary-Preis