Regensburgische Botanische Gesellschaft von 1790



David Heinrich Hoppe, 61 kBzusammengestellt von Andreas Bresinsky
 
Je länger man sich mit der Geschichte der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft von 1790 befasst, desto mehr erkennt man ihre faszinierende Eigenartigkeit. Durch die Monographie von Wolfgang Ilg und durch seinen Ausstellungsführer zur Jubiläumsausstellung (ILG 1984, 1990) sind uns die vorhandenen Unterlagen zur Geschichte der Gesellschaft erschlossen. In Kursiv gesetzte Namen (mit !) verweisen auf Pflanzengattungen, die ihre Namen zu Ehren der genannten Personen erhielten.
 
 
 

Inhalt
 
 Gründung und Aufschwung in der Freien Reichsstadt

 Blütezeit im Königreich Bayern

 Die Zeit vor, in und zwischen den beiden Weltkriegen

 In der Obhut der Universität Regensburg

 Literatur

 Zeittafel: Zusammenfassung in Daten und Fakten 

 Präsidenten, Ehrenvorsitzende, Vorsitzende, Schriftleiter seit 1790
 
 
 
 

 

 Gründung und Aufschwung in der Freien Reichsstadt
 

Gründungszeremonie am Schutzfelsen, 150 kBDie Regensburgische Botanische Gesellschaft wurde am 14. Mai 1790 durch David Heinrich Hoppe (1760-1846) zusammen mit drei Gleichgesinnten (Ernst Wilhelm Martius, Johann August Stallknecht, Heinrich Christian Funck) an einem Felsen mit einer Höhle am Donauufer unweit von Regensburg gegründet. Die Gründungszeremonie ist in einem zeitgenössischen Stich von 1792 festgehalten. Hoppe verliest auf diesem Bilde seinen Freunden die Statuten der soeben gegründeten Gesellschaft. Die Wahl des Ortes für die Gründungszeremonie hängt mit einer Idee Hoppes zusammen, die ihm anlässlich einer früheren botanischen, von einem Gewitter unterbrochenen Wanderung gekommen war. In der erwähnten Höhle Schutz suchend, wurde ihm der Gedanke zur Gewissheit, in Regensburg eine Botanische Gesellschaft zu gründen. Die Umsetzung der Idee erfolgte am gleichen Orte, der hinfort Schutzfelsen genannt wurde. Bereits zwei Jahre nach der Gründung ließen Freunde Hoppes am Schutzfelsen eine Gedenktafel anbringen, die an das denkwürdige Ereignis erinnert: aus heutiger Sicht in der Tat ein bemerkenswertes Ereignis, denn die Regensburgische Botanische Gesellschaft von 1790 ist die älteste noch bestehende botanische Vereinigung der Welt.
 

Cytisus ratisbonensis, 90 kBDie Gründung der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft von 1790 erfolgte in einer Stadt mit bedeutender naturwissenschaftlicher Tradition, die ganz wesentlich durch das in der Freien Reichstadt anwesende Bildungsbürgertum, u.a. Ärzte, Apotheker, Geistliche, sowie durch Personen eines politischen Zentrums (Immerwährender Reichstag; Hofhaltung des Adelsgeschlechtes der v. Thurn und Taxis; Residenz eines Fürstbischofes) begründet und getragen wurde. Der Regensburger Apotheker Johann Wilhelm Weinmann (1683-1741; Weinmannia!) hatte hier ein großes Kräuterbuch geschaffen, dessen zahlreichen Bildtafeln mit einem frühen einfachen Farbdruckverfahren hergestellt worden waren. In diesem Werk wurde erstmals der Regensburger Geißklee bekannt gemacht, der später von Jacob Christian Schaeffer (1718-1790), evangelischer Superintendent in Regensburg, seinen nach der Linneschen Nomenklatur gültigen Namen Cytisus ratisbonensis erhalten hat. Im Gründungsjahr der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft von 1790 verstarb Jacob Christian Schaeffer, der sich als Erfinder (Papierherstellung), Botaniker, Insekten- und Pilzforscher einen Namen gemacht hatte. Hoppe wurde durch den in der französischen Gesandtschaft wirkenden Francois Gabriel de Bray (1765-1832; Braya!) zu seinem Schritt angeregt. Der Arzt Johann Jakob Kohlhaas (1747-1811) war der erste Präsident, Hoppe (Hoppea; Hieracium hoppeanum!) der erste Direktor der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft von 1790. In der napoleonischen Zeit wurde in Regensburg ein Fürstentum etabliert, dessen Haupt, der Fürstbischof Carl von Dalberg (1744-1817; Dalbergia!) die Regensburgische Botanische Gesellschaft nach Kräften förderte. An seinem Hofe wirkte Kaspar Graf von Sternberg (1761-1838; Sternbergia! - s.a. Biographie der Universität Wien), der als Botaniker (Monographie der Gattung Saxifraga) und als einer der Väter der Erforschung der Pflanzenwelt der Vorzeit sich hervorgetan hat. Auch er war als unermüdlicher Initiator und Mentor von großer Bedeutung für die Gesellschaft.
 

Die Leistungen der jungen Gesellschaft bestanden in dem Aufbau einer botanischen Fachbibliothek (sie umfasste 1805 bereits 216 Titel), in der Begründung eines Herbariums, im Unterhalt eines Botanischen Gartens (seit 1803; Vorläufer seit 1791), in der Verbreitung und Vertiefung botanischer Kenntnisse besonders unter Apothekern, in der Stellung von Preisaufgaben (seit 1791) und in der Herausgabe einer botanischen Fachzeitschrift (Vorläufer Hoppes Botanisches Taschenbuch; 1792 "Schriften der Regensburgischen botanischen Gesellschaft", diese weitergeführt unter wechselnden Titeln: z.B. Botanische Zeitung 1802-1807; Allgemeine Botanische Bibliothek 1802).
 
 

 

 Blütezeit im Königreich Bayern
 

Braya alpina, 90 kBMit der Begründung der Zeitschrift Flora 1818 trat die Gesellschaft in ihre Blütezeit ein. Diese älteste Fachzeitschrift für Botanik der Welt, die auch heute noch besteht, verschaffte der Gesellschaft eine Art Monopolstellung im botanischen Publikationswesen der damaligen Zeit (heute würde man von einer Art Medienmonopol sprechen). Die überragende Geltung der Gesellschaft in der botanischen Fachwelt verdankte sie der ständigen Fürsprache ihrer in gehobenen Kreisen etablierten und am bayerischen Königshofe verkehrenden Präsidenten Francois Gabriel Graf von Bray (seit 1799 kgl. Bayer. Gesandter; Präsident 1811-1832) und Carl Friedrich Philipp v. Martius (1794-1868; Präsident 1840-1868; Martiusia!).
 

Carl Friedrich Philipp v. Martius, Sohn des Mitbegründers der Regensburgischen Gesellschaft, war Professor der Botanik und Direktor des Botanischen Gartens in München, später Sekretär der naturwissenschaftlich-mathematischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Als junger Mann nahm er an einer vom Bayerischen Kronprinzen und späteren König Maximilian II. finanzierten dreijährigen Forschungsreise nach Brasilien (Flora Brasiliensis !) teil. Martius setzte nun, wie vorher schon Bray, seine weitreichenden Verbindungen zur Förderung der Botanischen Gesellschaft ein, die sich in der Zeit der Monarchie in Bayern Königliche Bayerische Botanische Gesellschaft Regensburg nennen durfte. Dank der Bekanntschaft von Martius zu Johann Wolfgang v. Goethe und unter Vermittlung von Graf Sternberg konnte dieser überragende Geist als Ehrenmitglied der Regensburischen Botanischen Gesellschaft (1821) gewonnen werden. Außer ihm zählten Alexander v. Humboldt (1828), Justus v. Liebig (1840), Adalbert v. Chamisso (1824) und mehrere gekrönte Häupter, darunter Maximilian II., König von Bayern (1840), Friedrich August, König von Sachsen (1841), Ferdinand II., König von Portugal (1841) zu den Mitgliedern der Gesellschaft. Vom Geologen Carl Wilhelm von Gümbel (Mitglied seit 1859) stammt die Bezeichnung Schutzfelsschichten für die ältesten Kreideablagerungen, deren Typuslokalität am Felsen liegt, auf dem die Botanische Gesellschaft gegründet wurde.
 

Vertraten Bray und Martius die Regensburgische Botanische Gesellschaft in glänzender Weise nach außen, so geschah die Arbeit vor Ort durch August Emanuel Fürnrohr (1804-1861; Fuernrohria!), der von 1846 bis zu seinem Tode Direktor (entspricht heute dem 1. Vorsitzenden) der Gesellschaft war, und zuvor schon als Gehilfe Hoppes einen Großteil der laufenden Arbeiten verrichtet hatte, von denen die Herausgabe der Flora wohl die größte Bürde war. Seine Naturhistorische Topographie von Regensburg ist ein umfassendes Verzeichnis aller Naturerscheinungen (Astronomie, Meteorologie, Zoologie, Botanik, Mineralogie, Bodenverhältnisse) der Umgebung und unter seiner Leitung auch eine Gemeinschaftsleistung von Mitgliedern der Botanischen Gesellschaft.
 

In der Blütezeit der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft wurden deren Attribute, also besonders die Bibliothek, das Herbarium und der Botanische Garten gepflegt und sehr wesentlich erweitert. Viele der als Mitglieder hohen Standes Aufgenommenen ließen der Botanischen Gesellschaft wertvolle Werke als Geschenke für die Bibliothek zukommen. So schenkten Martius anlässlich seiner Übernahme der Präsidentschaft über die Botanische Gesellschaft sein monumentales Werk über die Palmen (A. v. Humboldt: "so lange man Palmen kennt und nennt wird der Name Martius nicht vergessen sein") und schon 1805 die Kaiserin Josephine von Frankreich zwei (von insgesamt 8) Bände des Prachtwerkes von Redouté "Les Liliacées". Neben der Flora gab die Gesellschaft seit 1815 ihre Denkschriften heraus, innerhalb derer schon 1861 die erste und bisher einzige Flechtenflora Bayerns von A. von Krempelhuber erschienen ist.
 
 

 

 Die Zeit vor, in und zwischen den beiden Weltkriegen
 

Schwierige Zeiten setzten für die Regensburgische Botanische Gesellschaft offenbar schon weit vor Beginn der beiden Weltkriege ein. Dies lässt sich u.a. an den abnehmenden Mitgliederzahlen nach einem mit der Zahl von 516 erreichten Höchststand im Jahre 1841 ablesen; nämlich 1874: 425, 1898: 89, 1954: 40. Insgesamt schien man in dem vom Verlust der Reichsfreiheit auf lange Zeit schwer gezeichnetem Regensburg nicht über das notwendige Potential an interessierten und zur Mitarbeit befähigten und willigen Personen zu verfügen, um die Regensburgische Botanische Gesellschaft in ihrer alten Stärke und dem früheren Glanze weiterzuführen. Mit dem Tode von Martius 1868 – seit diesem Jahr wurde die Position eines Präsidenten auch nie mehr besetzt – fehlte es an der hilfreichen Fürsprache in München, die nach dem frühen Tode des den Wissenschaften zugeneigten Königs Maximilian II. 1864 unter seinem eher den Künsten gewogenen Nachfolger König Ludwig II. ohnehin schwerer als früher zu greifbaren Ergebnissen hätte führen können. Vollends erschwert wurde die Lage der Gesellschaft in den Wirren von Revolution, Inflation und dem durch zwei Weltkriege bewirkten Desaster vergeudeter volkswirtschaftlicher Ressourcen, hohen Zolls an unersetzlichen Menschenleben und gebrochener Wirtschaftskraft. Regensburg geriet in eine zunehmend schwierige Lage.
 

Bis 1888 konnte die Zeitschrift Flora noch von der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft aus eigener Kraft herausgegeben werden. Dies war vor allem dem Einsatz der beiden Vorsitzenden nach August Emanuel Fürnrohr zu verdanken, nämlich Gottlieb August Herrich-Schäffer (Vorsitzender: 1861-1871) und Jakob Singer (Vorsitzender: 1871-1890). Singer war es aufgegeben, den Weiterbestand der Flora durch eine angemessene neue Lösung sicherzustellen. Die Regensburgische Botanische Gesellschaft war jedenfalls überfordert, diese Aufgabe weiterhin zu tragen. So ging dann die Flora in die Obhut des zunächst in Marburg, dann in München wirkenden Karl v. Goebel über; seit 1906 wird die Flora durch den Fischer-Verlag in Jena verlegt. Als neue Aufgabe widmete sich die Gesellschaft unter ihrem Vorsitzenden Ottmar Hofmann (Vorsitz 1891-1900) auf Anregung von Julius Poeverlein (gestorben 1930) der Herausgabe der Flora Exsiccata Bavarica, einer in begrenzter Auflage, von 1898 bis 1930 verteilten Sammlung getrockneter Pflanzen (Gefäßpflanzen, Moose) in Bayern.
 

Von 1911 bis 1920 veröffentlichte Ignaz Familler die bis heute einzige Moosflora Bayerns in den Denkschriften der Botanischen Gesellschaft und Konrad Rubner 1908 eine Monographie der bayerischen Weidenröschen.
 

Eine andere beispielhafte Aktivität fiel ebenfalls in die Zeit von Heinrich Karl August Fürnrohr als Vorsitzendem (1900-1916): die Sicherung wertvoller Gebiete zur Verwirklichung des gerade aufkeimenden Naturschutzgedankens. Dadurch kam der Drabafelsen bei Etterzhausen (1905), der Schutzfelsen (1906) und der botanisch wertvollste Teil des Sippenauer Moores (1911) in den Besitz der Gesellschaft. Den Ankauf des letzteren hatte Sebastian Killermann mit auf den Weg zu bringen geholfen. Nach dem Tode Fürnrohrs hat Sebastian Killermann über 40 Jahre hinweg (Vorsitzender: 1916-1956) die Geschicke der klein und bescheiden gewordenen Regensburgischen Botanischen Gesellschaft in seine Hände genommen. Sein großes Verdienst ist es, die vom völligen Absterben bedrohte Gesellschaft über außerordentlich schwierige Zeiten hinweg (zwei Weltkriege, Inflation) gerettet zu haben. Waren mit Krempelhuber die Flechten Bayerns, mit Familler die Moose Bayerns, sowie mit Mayer (Anton Mayer) verschiedene Gruppen von Kieselalgen Bayerns zusammenfassend dargestellt worden, hat Killermann ab 1922 bis 1946 (Nachtrag 1955) in den Denkschriften seine "Pilze aus Bayern" publiziert. Der Druck der Denkschriften wurde teilweise finanziert durch Verkauf aus den Beständen der Bibliothek zum Altpapierpreis (Akademieschriften und Arbeiten nichtbotanischen Inhaltes). Es steht uns angesichts der Verdienste Killermanns um das Fortbestehen der Gesellschaft nicht zu, hieran wie auch an der von ihm veranlassten bedauerlichen Säuberung des Herbariums Kritik zu üben. Die Nachkommenden sollten allerdings daraus lernen, sich auch in Notzeiten möglichst nicht von Teilen der im Laufe der Geschichte angewachsenen Bestände zu trennen, mag dies in extremen Notsituationen vielleicht auch nicht immer zu umgehen sein.
 
 

 

 In der Obhut der Universität Regensburg
 

Otto Mergenthaler an seinem 100. Geburtstag, 67 kBAls nach dem Tode von Killermann die Leitung der Botanischen Gesellschaft von Otto Mergenthaler (Vorsitzender: 1956-1974; Ehrenvorsitzender 1974-2001) übernommen wurde, zeichnete sich schon ab, dass die Bemühungen Regensburgs nicht zuletzt dank des beständigen Drängens seitens eines schon vorher gegründeten Vereins der Freunde der Universität um den Zuschlag der 4. Landesuniversität Erfolg haben könnten. Damit verbunden war die Hoffnung, unter Eingliederung der Bibliothek und des Herbariums in die Universität wertvolle Impulse und Unterstützung für ein Wiederaufleben der Botanischen Gesellschaft zu erhalten. Zunächst aber musste eine lange Zeit des Wartens überbrückt und gestaltet werden. Mergenthaler gelang es, vom Bezirk der Regierung der Oberpfalz, vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus sowie von der Stadt Regensburg regelmäßig zugewiesene Zuschüsse, besonders für die Herausgabe der Denkschriften, später Hoppea genannt, zu erhalten. Damit war die Grundlage für einen Ausbau der Fachzeitschrift als regelmäßiges Publikationsorgan und als Bindeglied zwischen den ortsansässigen Mitgliedern und externen Fachleuten gelegt. Auch hat er Verbindungen geknüpft oder wiederhergestellt zum Botanischen Arbeitskreis der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg (Konrad Gauckler, Universität Erlangen) und zur Bayerischen Botanischen Gesellschaft in München (Herrman Merxmüller und Josef Poelt, Botanische Staatssammlung). Die Tradition der Gemeinschaftsexkursionen mit der Münchener Gesellschaft wurde 1958 begründet. Anerkennung für die Gesellschaft konnte Mergenthaler nicht zuletzt auch durch seine intensive Naturschutzarbeit und durch seine gewichtige Beteiligung an der Floristischen Kartierung erzielen.
 

Bibliothek, 144 kBMit der Übernahme eines Lehrstuhles für Botanik an der Universität Regensburg durch Andreas Bresinsky (Vorsitzender: 1974-1999; danach Ehrenvorsitzender) war diesem auch die Aufgabe zugefallen, für eine gedeihliche Fortentwicklung der Gesellschaft unter Anbindung an die Universität zu sorgen. Bibliothek und Herbarium wurden als Dauerleihgaben an die Universität überstellt. Ein Angebot mit attraktiven Vorträgen, seit vielen Jahren im Haus der Begegnung der Universität angeboten, sorgte nunmehr dafür, dass die Mitglieder, nicht nur aus dem näheren Umfeld von Regensburg sich regelmäßig trafen, und auch Angehörige der Universität sich einfanden (Haus der Begegnung!). Herbaransicht, 72 kBAus der Studentenschaft der Universität wurden viele junge Leute an die Gesellschaft gebunden. Peter Schönfelder (Universität Regensburg) übernahm die Redaktion der Hoppea. So wurden Mitglieder und Tauschpartner (die Abwicklung des Tauschverkehrs hat die Universität übernommen) regelmäßig mit der Fachzeitschrift der Gesellschaft beliefert. Auf diese Weise gelang es, die Mitgliederzahl ständig zu steigern. Sie erreicht mit etwa 600 Mitgliedern seit 1999 einen neuen Höchststand, der sogar denjenigen von 1841 in der Blütezeit der Gesellschaft übertrifft. Durch großherzige Zuwendungen, die Edith Patzig und Janna v. Bary der Gesellschaft zukommen ließen, wurde die Edith-Patzig-Stiftung begründet und ein Anton-de-Bary-Zimmer in den von der Botanischen Gesellschaft genutzten Räumen im Fürstlichen Schloss Thurn und Taxis eingerichtet. Anton de Bary, 42 kBDie Botanische Gesellschaft begründete eine Anton-de-Bary-Siftung zur Auszeichnung hervorragender Arbeiten auf den Gebieten der Pflanzensystematik einschließlich der Mykologie (Erweiterung auf Mykologie dank Initiative und Zuwendung von Hans Peter Molitoris, Universität Regensburg); damit knüpfte die Gesellschaft an die alte Tradition der Preisvergabe wieder an. Ein bisher noch nicht erwähntes Attribut der Gesellschaft ist das seit 1790 geführte Archiv der Gesellschaft mit vielen Autographen bedeutender Botaniker; es wurde als Bestandteil der Gesellschaftsbibliothek der Universität zur Aufbewahrung übergeben. Das Archiv wird ergänzt durch eine Ikonothek mit Portraits von Botanikern, sowie eine Sonderdrucksammlung und zahlreiche Bücher zur Geschichte der Botanik aus der Sammlung Karl Mägdefrau, die von ihm der Gesellschaft vermacht worden sind. Im Rahmen ihrer Naturschutzarbeit hat die Gesellschaft ein neues Schutzgebiet (1979, Feuchtgebiet bei Rettenbach) angekauft und mehrere Erweiterungskäufe (u.a. 1991 Zukauf der noch nicht im Besitz der Gesellschaft befindlichen größeren Restfläche im Sippenauer Moor) getätigt.

 Download Nachlass Mägdefrau (pdf; 310 kB)
 

Die letzten Jahre (spätestens seit 1997) sind überschattet durch eine unbestrittene Beeinträchtigung des Sippenauer Moores infolge des Abpumpens von Karstwasser durch ein benachbartes Kalkwerk. Im Zuge einer Rechtsauseinandersetzung hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (22. Senat) es der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft auferlegt, 1/3 der Kosten eines Fachgutachtens, welches die Einflussnahme des Kalkwerkes belegt, zu tragen. Durch diese gewaltige finanzielle Belastung (33.000 €, zusätzlich zu den Kosten der eigenen Rechtsvertretung) sind die Kräfte der Gesellschaft für ihre zahlreichen Aktivitäten wesentlich eingeschränkt, wenn sich nicht daraus gar eine existentielle Gefährdung ergeben wird. Die in einem außergerichtlichen Vergleich unter Druck von außen vereinbarten Stützungsmaßnahmen für das Sippenauer Moor werden kaum in der Lage sein, die eingetretenen Schäden auszugleichen.
 

 

 Literatur

  • BRESINSKY, A. (1981): Die Regensburgische Botanische Gesellschaft und die Wurzeln ihres Entstehens im 18. Jahrhundert. – Schriften der Universität Regensburg 4: 101-130.

  • BRESINSKY, A. (1991): Zweihundert Jahre Botanische Gesellschaft in Regensburg. – Regensburger Almanach 1991: 154-165.

  • BRESINSKY, A. (1993): FLORA – die älteste wissenschaftliche Zeitschrift für Botanik unter dem Wechsel ihrer Gestalter. – Flora 188: 5-14.

  • ILG, W. (1984): Die Regensburgische Botanische Gesellschaft. – Hoppea, Denkschr. Regensb. Bot. Ges. 42: 1-391.

  • ILG, W. (1990): Geschichte der Botanik in Regensburg – Katalog zur Ausstellung in den Museen der Stadt Regensburg, 14 Juli bis 7. Oktober 1990. – Hoppea, Denkschr. Regensb. Bot. Ges. 48: 1-120.
     

 

 Zeittafel: Zusammenfassung in Daten und Fakten

1790

Gründung (14. Mai) durch David Heinrich Hoppe zusammen mit einigen Gleichgesinnten auf dem Schutzfelsen bei Regensburg als älteste noch bestehende botanische Gesellschaft der Welt. Bedeutende Persönlichkeiten als Mitglieder in der frühen Zeit u.a.: Kurfürst Carl Theodor v. Dalberg, Kaspar Graf v. Sternberg, Francois Gabriel de Bray.
 

1791

Einrichtung von Bibliothek und Herbarium.
Erstmalige Vergabe eines Preises für eine hervorragende botanische Arbeit (an Johann, Christoph Ebermaier: Über die nothwendige Verbindung der systematischen Pflanzenkunde mit der Pharmacie....). Weitere Zuerkennungen von Preisen 1803, 1831, 1840, 1996, 1998, 2001.
 

1792

Veröffentlichung eines ersten Bandes von Gesellschaftsschriften, später fortgeführt als Denkschriften und Hoppea (bis jetzt 62 Bände).
 

1803

Einrichtung eines Botanischen Gartens. Verschiedene Verlegungen; 1855 wird der Botanische Garten der Gesellschaft aufgelassen. 1980 Botanischer Versuchs- und Lehrgarten der Universität. Vorgänger aller Botanischen Gärten in Regensburg der Oberndorffer Garten (1604).
 

1818

Begründung der Zeitschrift Flora (bis 1888 von der Gesellschaft herausgegeben); älteste noch heute bestehende Botanik-Zeitschrift der Welt.
 

1821

Goethe wird Mitglied.
 

1841

Zu den Mitgliedern zählen u.a. Alexander v. Humboldt, Adalbert v. Chamisso, Justus von Liebig, Maximilian II. König von Bayern, Friedrich August König von Sachsen, Ferdinand II. König von Portugal u.a.
 

1898

Flora Exsiccata Bavarica (bis 1930) als Sammlung getrockneter Pflanzen (Gefäßpflanzen, Moose) Bayerns in begrenzter Auflage verteilt.
 

1905

Erwerb des ersten Grundstückes (Drabafelsen bei Etterzhausen) zum Zwecke des Naturschutzes. Bis 1911 (Sippenauer Moor) Kauf dreier weiterer Flächen, 1974 eines vierten Grundstück. Seit 1987 verschiedene Erweiterungskäufe (u.a. 1991 gesamte Restfläche im Sippenauer Moor).
 

1974

Die Gesellschaft kommt unter die Obhut der Universität (Lehrstuhl für Botanik; Zentralbibliothek). Ihre Leitung wird von 1974-1999 von Andreas Bresinsky wahrgenommen. Peter Schönfelder übernimmt die Redaktion der Hoppea ab Band 33. Überstellung der Bibliothek der Gesellschaft als Dauerleihgabe an die Universität Regensburg.
 

1977

Überstellung des Herbariums der Gesellschaft als Dauerleihgabe an die Universität Regensburg.
 

1984

Überstellung des seit 1790 geführten Archivs der Gesellschaft als Dauerleihgabe an die Universität Regensburg nach Abschluss der Monographie von Wolfgang Ilg über die Geschichte der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft (Hoppea 42). Später ergänzt durch Sammlung von Briefen, größtenteils Autographen (Korrespondenz mit Mitgliedern und Botanikern seit 1790), sowie durch Botaniker-Ikonothek, Sonderdrucke und Werke zur Geschichte der Botanik aus dem Vermächtnis von Karl Mägdefrau.
 

1990

Begründung einer Stiftung zur Förderung der Botanischen Gesellschaft aus dem Vermächtnis von Edith Patzig.
Einrichtung des Anton-de-Bary-Raumes als Vermächtnis der Familie von Bary, Deisenhofen. 200-Jahrfeier der Gesellschaft. Widmung des im gleichen Jahre erschienen Bayerischen Florenatlasses diesem Ereignis (zugleich zum 100- jährigen Jubiläum der Bayerischen Botanischen Gesellschaft). Anlässlich des Jubiläums der Gesellschaft Durchführung der Tagung der Deutschen Botanischen Gesellschaft und des IV. Internationalen Mykologenkongresses in Regensburg. Gestaltung eines umfangreichen Festprogrammes mit Ausstellungen und Vorträgen.
 

1993

Einrichtung einer Stiftung zur Verleihung eines Anton-de-Bary-Preises zur Würdigung hervorragender Leistungen auf den Gebieten der Pflanzensystematik und Mykologie. Erhöhung des Stiftungsvermögens durch Janna v. Bary und Hans Peter Molitoris.
Begründung der Reihe Regensburger Mykologische Schriften. Bis 2002 10 Bände erschienen (Schriftleiter Andreas Bresinsky und Helmut Besl).
 

2001

Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes (22. Senat), dass die Regensburgische Botanische Gesellschaft 1/3 der Kosten eines Fachgutachtens zu tragen hat, welches die unbestrittenen Einflüsse der Karstwasserabsenkung durch ein benachbartes Kalkwerk auf das Naturschutzgebiet Sippenauer Moor untersucht. Mit dieser beträchtlichen Kostenbürde (33.000 €) wird die Gesellschaft existentiell gefährdet und werden ihr die Hände für weiteres Eintreten zum Schutz des Moores gebunden.
 

2006

Mit der auf der Hauptversammlung vom 06.02.2006 beschlossenen neuen Satzung wird der Gesellschaftsname in "Regensburgische Botanische Gesellschaft von 1790 e.V." geändert.
 
 

 

 Präsidenten, Ehrenvorsitzende, Vorsitzende, Schriftleiter seit 1790

Präsidenten

1790-1811

Johann Jakob Kohlhaas

1811-1832

Francois Gabriel de Bray

1840-1868

Carl Friedrich Philipp v. Martius
 

Ehrenvorsitzende

1974-2001

Otto Mergenthaler

seit 1999

Andreas Bresinsky
 

Direktoren/Vorsitzende

1812-1846

David Heinrich Hoppe

1846-1861

August Emanuel Fürnrohr

1861-1871

Gottlieb August Herrich-Schäffer

1871-1890

Jakob Singer

1891-1900

Ottmar Hofmann

1900-1916

Heinrich Karl August Fürnrohr

1916-1956

Sebastian Killermann

1956-1974

Otto Mergenthaler

1974-1999

Andreas Bresinsky

1999-2007

Anton Schmidt

seit 2007

Peter Poschlod
 

Schriftleitung der Flora (bis 1888)

1818-1834

David Heinrich Hoppe

1834-1842

David Heinrich Hoppe und August Emanuel Fürnrohr

1842-1861

August Emanuel Fürnrohr

1861-1871

Gottlieb August Herrich-Schäffer

1871-1888

Jakob Singer

Danach Loslösung von der Gesellschaft und Redaktion durch Karl v. Goebel, Otto Renner u.a.
 

Schriftleitung der Denkschriften/Hoppea

bis 1900

David Heinrich Hoppe, Jakob Singer etc. (bis Band 7)

1900-1916

Heinrich Karl August Fürnrohr (bis Band 12)

1916-1956

Sebastian Killermann (bis Band 24)

1956-1974

Otto Mergenthaler, z.T. auch Ludwig Neumayr (bis Band 32)

1974-2005

Peter Schönfelder (bis Band 65)

2005-2007

Oliver Dürhammer (bis Band 67)

seit 2007

Jürgen Klotz